4.+5.+6. Türchen – Don Carlo, Lucia und der Weihnachtsgeist

Hier gehs zum dritten Türchen:

https://aurynoriental.wordpress.com/2018/12/03/3-tuerchen-don-carlo-lucia-und-der-weihnachtsgeist/

Aus dem Fenster zu sehen war sehr schnell sehr öde geworden, weil sich bei diesem Regen nichts und niemand auf die Straße trauen wollte und es so auch nichts und niemanden zu beobachten gab. Nach dem morgendlichen Misserfolg in Sachen Fliege fangen war ihm auch die Jagdlust vergangen. Und die Staubflusen hatte Don erst gestern erlegt. Er hätte natürlich die Wohnung neu dekorieren können, aber nach der letzten Schimpftirade, die sich gut mit den Worten „zum hundertsten Mal: Hör auf ständig Sachen herunterzuschmeißen“ zusammenfassen ließ, traute er sich auch das nicht mehr. Spielverderber. Nun blieb ihm nichts anderes übrig, als zu warten. Seine Menschin war nun auch schon vor geraumer Zeit gegangen und hatte ihn einsam zurückgelassen. Er war sich sicher, nie war ein anderer Kater vor ihm so einsam gewesen. Und hungrig. Ja, nie war überhaupt ein Wesen vor ihm so einsam UND so hungrig gewesen. Doch bevor ihm genügend Gelegenheit gegeben wurde sich ausreichend selbst zu bemitleiden, hörte Don das vertraute Kratzen des Schlüssels und die Haustür wurde geöffnet. Der Außenwelt entströmte eine giftige Mischung aus Kälte, Regentropfen und Dunkelheit. Das verstand er sowieso nicht, dieses klamme Wetter, das nun schon seit einigen Wochen anhielt. Seine Menschin hatte erklärt, dass es Winter sei und bald gäbe es etwas, was sie „Weihnachten“ genannt hatte. Er wusste zwar nicht, wer dieser Weihnachten sein sollte, aber sie freute sich auf ihn. Naja, war hoffentlich ein Netter.

Die Tür schloss sich, ließ die Kälte draußen, aber die Menschin im Inneren. Der Kater zeigte seine Freude wie üblich, dabei befolgte er akribische fünf Schritte:

1. Schritt: Schnell hinlegen und so tun, als würde man seit Stunden schlafen

2. Schritt: Bei Ansprache durch den Menschen ein Auge halb öffnen und blinzeln

3. Schritt: Alles ignorieren

4. Schritt: Sich streicheln lassen und dabei so tun, als würde man schlafen

5. Schritt: Auf den Rücken rollen, ganz leise schnurren, Augen geschlossen halten, Pfoten weit von sich strecken

Diese Prozedur hatte einen einzigen Sinn: Die Menschin lässt alles stehn und liegen, sagt Dinge wie „Ui, süßes Bäuchlein, flauschi flauschi! Hast du Hunger? Dann gebe ich dir schnell was,“ und ZACK Mission erfüllt. Es gibt essen. Denn: Eine Mission ist erst dann gelungen, wenn sie mit schmackhafter Nahrung endet.

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3. Türchen – Don Carlo, Lucia und der Weihnachtsgeist

Das zweite Türchen noch nicht gelesen?
Bitteschön:
https://aurynoriental.wordpress.com/2018/12/02/2-tuerchen-don-carlo-lucia-und-der-weihnachtsgeist/

Mr. Fluffy… Allein bei dem Gedanken daran wurde ihm jedes Mal ganz schlecht und seine Nackenhaare stellten sich angewidert auf. Nach solchen Besucheraussagen pflegt seine Menschin immer zu lächeln und verständnisvoll zu nicken. Danach haben Don und sie immer lange Gespräche darüber, warum alle anderen dumm sind und keine Ahnung haben und warum „Don Carlo“ perfekt zu ihm passte. Denn auch wenn er mit seinem schwarzen, sehr voluminösen Fell und dem dazu im Kontrast stehenden schmalen Körperbau bei allen einen akuten Fall von „Och, is der niedlich!“ auslöste, so fühlte er sich tief in seinem Herzen wie der Herrscher der Welt. Eben wie ein richtiger Don Carlo. Seine Menschin wusste das.

Leider schützte ihn seine eigene Großartigkeit nicht vor dem größten aller Feinde: Der Langeweile.

Hier gehts weiter:
https://aurynoriental.wordpress.com/2018/12/06/4-5-6-tuerchen-don-carlo-lucia-und-der-weihnachtsgeist/

2. Türchen – Don Carlo, Lucia und der Weihnachtsgeist

Hier gehts um ersten Türchen: https://aurynoriental.wordpress.com/2018/12/01/1-tuerchen-don-carlo-lucia-und-der-weihnachtsgeist/

„Mäuschen, was machst du denn?“ Eine tadelnde Stimme holte Don Carlo nun endlich aus seiner Dschungelfantasie. Seine Menschin stand in der Tür, versuchte streng auszusehen, konnte sich aber ein amüsiertes Lächeln kaum verkneifen. „Mäuschen“….ts…Er war ein starker und unabhängiger Kater, ein Krieger, ein Held ein…
„Will mein tollpatschiger Fellhaufen ein bisschen Milch?“
…nun denn, auch Helden dürfen sich ab und an mit der weißen Köstlichkeit belohnen. Das war sicher. Unter energischem Strampeln befreite sich Don Carlo aus den Schlingen des Flokatiteppichs und führte den Nahrungszug zur Küche an.

Der regnerische Morgen ging in einen ähnlich tristen Mittag und einen schnell dunkel werdenden Nachmittag über. Don Carlo war gerne im Garten, doch hatte sich nach seiner morgendlichen Jagd strickt geweigert das Haus zu verlassen. Er hatte sein Abenteuer für diesen Tag erfüllt, im kalten Regen durch den Matsch zu stapfen wäre eindeutig zu viel des Guten gewesen. Zwar war er schon allein aufgrund seines Namens zu großen bedeutenden Taten bestimmt, doch… morgen war auch noch ein Tag. Don Carlo… das war die Bezeichnung eines Visionärs, eines Künstlers, eines Meisterdiebes, eines Gottes. Zumindest war er davon überzeugt. Und damit schien er auch so ziemlich der einzige zu sein. Tatsächlich sorgte sein Name für die Besucher seiner Menschin des öfteren für Verwirrung, wie er schon oft mitbekommen hatte. Leute, die ihm neu vorgestellt werden, reagieren meistens so:

„Och, ist das aber ein kleines putziges Flauschi! Du bist mir ja ein Süßer! Komm her, lass dich kuscheln. Ach Lisa, ich hab mir deinen Don ganz anders vorgestellt, eher groß, dick und fies. Aber das ist doch ein kleines Goldstück. Du solltest ihn anders nennen. Wie wäre es mit… Mausi, oder Maunzi, Mr. Fluffy?“

Hier gehts weiter: https://aurynoriental.wordpress.com/2018/12/03/3-tuerchen-don-carlo-lucia-und-der-weihnachtsgeist/

1. Türchen – Don Carlo, Lucia und der Weihnachtsgeist

Vorwort: Letztes Jahr schrieb ich für meine Mutter eine Adventskalendergeschichte mit dem Titel „Don Luca, Lucia und der Weihnachtsgeist“. Es war eine fortlaufende Erzählung und jeden Tag gab es ein bis drei Seiten zu lesen.
Dieses Jahr habe ich mich dazu entschieden das Ganze hier auf meinem Blog zu veröffentlichen. Freut euch also bis Weihnachten darauf jeden Tag ein Stück mehr dieser Geschichte lesen zu können.
Also, ich hoffe sehr, ihr freut euch…
Ein bisschen?
Ja?
Das ist schön =)
Viel Vergnügen mit dem ersten Türchen!

Don Carlo, Lucia und der Weihnachtsgeist

Die Stille lag wie ein bleiernes Tuch über der blättrigen Szenerie. Kein Laut, kein Flüstern, nicht einmal ein einsames Rascheln war zu hören. Nichts regte sich. Alle schienen zu warten, selbst der Dschungel machte den Anschein den Atem anzuhalten. Die Spannung war körperlich zu spüren, wie ein ziehen und reißen, irgendwo zwischen Nasenspitze und Bauchnabel. Doch Don Carlo blieb ruhig. Don Carlo war immer ruhig, vor allem dann, wenn es darauf ankam. Wenn es darauf ankam, ob sein Geschickt ihm einen Sieg, oder eine Niederlage einbringen würde. Von sich selbst hätte er nie behauptet immer zu gewinnen. Aber, unter uns: Das Scheitern ist ihm absolut fremd. Vor Minuten hatte er das Atmen eingestellt, um sein Opfer zu belauern. In geduckter Haltung harrte er so schon seit Stunden aus, ohne Luft zu holen. Seit Tagen war er nun an diesem einen Flecken Erde gebunden, um gekauert seine Beute zu belauern; ohne Luft zu holen. Kein Sauerstoff war in seinen Körper gelangt. Seit Wochen.

Don Carlo spannte seine Muskeln an, er war bereit zuzuschlagen. Es schien, als hätte er sein ganzes Leben auf diesen einen Moment gewartet, als hätte das Jahrzehnte lange Training nur diesem einen Augenblick gegolten.

Voller Konzentration und fester Muskeln machte er sich zum Sprung bereit und katapultierte sich in einer blitzschnellen Bewegung nach vorne. Don Carlo war so schnell, dass selbst die aufmerksamsten Beobachter nicht fähig gewesen wären ihn zu sehen, wie er elegant und tödlich zu gleich fast durch die Luft des nächtlichen Dschungels zu fliegen schien. Seine nichts ahnende Beute blieb seelenruhig sitzen und wusste nicht, welch grausames Schicksal ihr bevorstand. Geradezu lautlos kam der geschickte Jäger auf dem feuchten Boden des grünen Paradieses auf. Leider war er von Anfang an mit etwas zu viel Energie abgesprungen, sodass er nun eher verzweifelt, weniger elegant versuchte seine Landung zu bremsen. Dabei, nun doch ein wenig panisch, verhedderten sich seine Krallen im grasgrünen Flokatiteppich, wodurch er nicht mehr in der Lage war seinen Sturz abzufangen und er landete unter lautem Miauen und verknoteten Beinen mit der Schnauze voran auf dem Parkett. Die Fliege, seine eigentliche Beute, tippelte kurze Zeit direkt vor seinen Augen von rechts nach links, summte und flog von Dannen.

Hier gehts weiter: https://aurynoriental.wordpress.com/2018/12/02/2-tuerchen-don-carlo-lucia-und-der-weihnachtsgeist/

Warum Tanzdiskussionen nervig, aber dennoch wichtig sind

Einleitung:

Oh Mann… Eigentlich wollte ich mich aus allen möglichen Diskussionen, die sich um den Bereich Tanzen drehen, raushalten. Einfach aus dem Grund, weil ich das Gefühl habe, dass es nie zu irgendeiner Form von Einigung oder gegenseitigem Verständnis kommt. Aber nun denn… Ich habe es wieder getan, ich habe mich wieder in eine Diskussion eingemischt.

Vorgeschichte:

Ich wurde auf ein Video aufmerksam gemacht (Grüße an dich, Desideria!), in dem eine ziemlich coole Tribal Fusion Performance zu sehen war. Hier ist der Link dazu, falls es jemanden interessiert: https://www.youtube.com/watch?v=qYo-RyUQYSw
Um jetzt nicht zu viel darauf einzugehen, hier eine kurze Zusammenfassung: Prinzipiell beschäftigen sich die vielen negativen Kommentare damit, dass die Tänzerin den Charakter der Kali nicht richtig getanzt hätte und dass ihre Interpretation unpassend, wenn nicht sogar für Gläubige beleidigend sei. Am besten fand ich folgenden Kommentar, der ungefähr so lautete: „Kali wouldn`t dance like that“ – spannend, da scheint jemand zu wissen, wie eine Göttin tanzt. Sorry, aber den Kommentar fand ich einfach so überaus dämlich. Wenn ich das nächste Mal einen „Fusion Elfen Tanz“ sehe dann kommentiere ich auch darunter, dass so eine Elfe niemals tanzen würde! Schließlich sehe ich Elfen. Die wohnen neben Kali. In der gleichen Straße. Ich schweife ab.
Was dann Mal wieder zu weit ging waren Anmerkungen wie „bar dancer“ und „slave dance“. Aber das ist ja ein altbekanntes Problem. Alles was auch nur entfernt mit Bauchtanz zu tun hat ist für eingie keine Kunstform, sondern reines provokantes und halbnacktes Gewackel.
Nun denn, wie gesagt musste ich mich dann doch einmischen, vor allem, weil ich es der Tänzerin gegenüber einfach unfair fand, all diese negativen Stimmen stehen zu lassen. Natürlich habe ich dann auch bisschen was abbekommen, die Anti-Leute schweigen eben selten.
Aber um den Streitgrund an sich geht es mir gar nicht.

Warum ist das meistens so?

Warum entsteht, manchmal auch aus dem Nichts, eine Diskussion aufgrund eines Tanzes, eines Kostümes, einer Tanztechnikfrage etc., was dann zu einem Sturm aus Gezicke und bösen Worten wird? Soweit ich weiß gibt es keine Bauchtanzpolizei, und wenn doch, dann habe ich wohl wirklich etwas verpasst.
Manche scheinen den Schlüssel zur allgemeinen Wahrheit gefunden zu haben und müssen genau diese dann auch oft und ausgiebig zum Besten geben.
Das Problem, neben dem offensichtlichen, dass es nervt, ist,dass man so sehr selten auf eine Einigung oder einen Schluss kommt, da es nur ein sich gegenseitiges beleidigen wird. Gerade wenn dann die Streitenden nicht den gleichen Tanzhintergrund haben, ist es irgendwann sinnlos. Wenn man nicht eine ähnliche Technik und Ästhetik teilt, wie soll man dann argumentieren, warum Performance XY nicht schön, oder ansprechend ist. Klassische orientalische TänzerInnen werden vielleicht innerlichen Verkrampfen, wenn sie meine „Demon Dance“-Auftritte sehen und sind vielleicht der Meinung, dass Dark Fusion auf geradem Weg wieder in die Hölle zurück verbannt werden soll. Währenddessen bin ich davon überzeugt, dass orientalisches Gedudel gepaart mit einem pinken Glitzerkostüm für mich als Zuschauer eher eine Folter, als eine Freude ist. Aber das ist doch in Ordnung. Niemals würde ich dann anfangen zu diskutieren, warum mir das nicht gefällt. Das ist ja mein eigenes Problem. Gleichzeitig möchte ich auch nicht unter meinen Tänzen Dinge lesen wie „Das ist viel zu düster, Tanz muss fröhlich sein!“ oder „Schwarze Kostüme sind grauenhaft“ etc.

Einfühlungsvermögen

Daher, frage dich immer, bevor du dich aufregen möchtest: „Ist es jetzt notwendig, wenn ich etwas dazu sage und ist meine Meinung in diesem Fall vielleicht nicht von Bedeutung?“ – eigentlich sollte man sich das immer fragen, bevor man sich äußern möchte, egal worum es geht. Manchmal ist man selbst nämlich gar nicht so wichtig, wie man immer denkt.

Vermeintliche konstruktive Kritik vs. richtige konstruktive Kritik

Immer wieder gerne ist dann auch zu lesen „Ich darf das sagen, konstruktive Kritik sollte immer erwünscht sein“.
Nun denn, das Wort „konstrutkiv“ wird generell etwas sehr weit gedehnt. Zum zerreissen weit gedehnt.
Aussagen, die nicht konstruktiv sind:
„Das finde ich schlecht“
„Das ist scheiße“
„Das gefällt mir nicht“
„Ich würde das ganz anders machen, das was du machst ist nicht richtig“
Aussagen, die konstruktiv sein können:
„Ich würde das eher so und so machen“
„Du könntest es vielleicht mit xy probieren“
„Versuch das doch nächstes Mal so und so zu machen“
Letzten Endes kommt es aber wohl auch auf den Kontext an, was konstruktiv ist und was nicht.
Kommentare, die als konstruktiv benannt werden, nur um zu verschleiern, dass man gerade jemanden ohne schlechtes Gewissen beleidigen wollte, sind bullshit. Konstruktive Kritik ist etwas tolles, sie soll jemanden helfen sich zu verbessern, oder zum Beispiel einen anderen Aspekt in Betracht zu ziehen. Es geht darum zu helfen, nicht jemanden zu sagen, dass etwas schlecht ist.

Endlose Facebookdiskussionen
(Ja, das habe ich jetzt zusammengeschrieben, als ein Wort. Kein Bindestrich. Das geht!)

Und dann gibt es diese Bauchtanzdiskussionen auf Facebook, die wohl nie enden wollen und bei denen ab irgendeinem Punkt, egal worum es geht, Sätze wie: „In meiner 25 jährigen Tanzkarriere…“, „Ich unterrichte nun schon seit 30 Jahren…“, „Damals wurde ich in Ägypten unterrichtet…“ zu lesen sind. Ohne Witz, dass ist echt supi, dass du so viel Erfahrung hast, aber dennoch hast du deswegen nicht immer überall Recht. Und das sind auch keine Aussagen, mit denen man eine Argumentation gewinnt. Damit dehnt man nur ein Streitgespräch unnötig in die Länge, ohne Informationen oder Erleuchtung zu verteilen.
Am Ende solcher Facebookgefechte ist jeder sauer und wurde auf irgendeine Art und Weise beleidigt. Gut gemacht, die Phase hätte man eigentlich mit der Grundschulzeit ablegen müssen. Manche wohl nicht.
Und genau aus diesem Grund möchte ich mich meistens nicht einmischen, weil ich weiß, dass ich ab einem gewissen Punkt persönlich angegriffen werde, obwohl es gerade nur darum geht, ob man jetzt mit High Heels tanzen sollte, oder doch besser barfuß. Jede einzelne zu erörternde Frage wird zu einem Krieg.
Ist das wirklich notwendig?

Warum ist der Irrsinn trotzdem wichtig?

Sich gegenseitig auszutauschen ist wichtig, auch bei einer Kunstform wie dem Tanz. Indem wir mit anderen darüber reden, was uns gefällt, was nicht und welche Gedanken wir zu bestimmten Themen haben, wachsen wir als Künstler aber helfen unserem Gesprächspartner gleichermaßen Ideen zu entwickeln und über Neues nachzudenken. Wenn jeder still in seinem Kämmerlein hockt und vor sich hinbrütet kommt die Kunst nicht voran und auch wir bleiben stehen.
Wir sollten lernen dem andern gegenüber Verständnis entgegen zu bringen, vorallem, wenn wir im gleichen tanzenden Boot sitzen.
Sich gegenseitig zu Tode zu zicken hilft niemanden und schreckt viele davon ab wichtige Vorschläge und Ansichten mit dem Internet, mit der Welt zu teilen.
Man sollte auch nie vergessen, dass es trotz allem eine künstlerische Freiheit gibt. Auch wenn dir die Form von Kunst nicht passt, kannst du wenig dagegen machen. Und das ist eigentlich auch ganz gut so. Denn letzten Endes kann man machen, was man will. Das ist das Schöne an Freiheit.

Am Ende möchte ich noch allen auf den Weg geben:
Generell haben wir alle eh keine Ahnung von gar nichts.
Also seid nett zueinander.

Oh Mann, schon wieder nach Mitternacht… Gute Nacht…
Wer Fehler findet darf sie behalten, ich les mir mein Gedankenwirrwarr jetzt nicht mehr durch.

Ein offener Brief an die letzte Reihe

Na, endlich schreibe auch ich wieder etwas.
Wann war das letzte Mal? Wohl schon wieder einige Monate her. Schande über mein Haupt!
Aber irgendwie muss man ja wieder ins Schreiben kommen, daher heute ein eher lockeres Thema, das auf den ersten Blick vielleicht belanglos erscheint, mir aber dennoch wichtig ist.
Daher nun:
Ein offener Brief an die letzte Reihe

Liebe letzte Reihe,
aus frühren Erfahrungen weiß ich, wie schön kuschelig, angenehm und schützend diese großartige letzte Reihe sein kann. Man steht ganz hinten, wird von niemanden gesehen und generell auch von niemanden beurteilt. Das ist großartig! Fehler bleiben (scheinbar) unentdeckt und man muss sich nicht immer zu 100% anstrengen – der Lehrer siehts ja nicht!
Falsch gedacht. Ich sehe euch. Immer.
Aber wenn ihr so weit hinten an die Wand gedrückt steht, obwohl eigentlich im Raum genügend Platz wäre, dass ihr bequem in der Mitte, oder vielleicht ganz vorne stehen könntet, dann führt das meistens dazu, dass ihr mich nicht richtig seht. Oder nicht gut genug hört. Ich weiß das. Ich merke das. Stellt euch doch einfach näher zu mir, das erleichtert einiges. Zu glauben, dass der Lehrer/Trainer/Prof oder wer auch immer nicht mitbekommt, was ihr gerade bewerkstelligt, ist ein Mythos. Man sieht das.
Wenn ihr also einen Fehler tanzt oder in einem Fitnesskurs etwas falsch ausführt, dann bemerke ich das. Und in den meisten Fällen liegt das nur daran, dass es euch nicht möglich ist nachzuvollziehen, was ich vorne veranstalte, weil ihr nur Teile meines Körpers seht.
Also, verrenkt doch nicht eure Hälse, tuschelt nicht mit dem Nachbar, worums überhaupt geht, sondern sucht euch doch von Anfang an einen Platz, von dem aus ihr alles mitbekommt. Niemand beisst euch.
Für euch und alle anderen ist es das Beste, wenn jeder so viel wie möglich von einer Stunde mitnehmen kann.
Ich weiß, sich nach vorne zu trauen ist nicht einfach. Aber ihr schafft das!

Auch ich war viele Jahre lang Teil der letzten Reihe.
In der Schule saß ich oft hinten in der letzten Reihe, bei Workshops stand ich hinten in der letzten Reihe, bei Gruppenfotos stand ich hinten in der letzten Reihe, im Ballett fand ich mich oft hinten in der letzten Reihe ein, später in der Uni saß ich…richtig, hinten in der letzten Reihe.
Und oft hat das seine Gründe. In der Schule bzw. in der Uni ist man so vor missbilligenden Blicken des Lehrers oder Profs geschützt und kann ganz in Ruhe Schlaf nachholen, essen, Kaffee trinken oder angeregt Zeichnen. – Letzteren beiden Punkte waren bei mir tatsächlich am häufigsten anzutreffen. Meistens war das auch kein Problem. Schließlich hat man bei Seminaren und/oder Vorlesungen meistens ein Skript, was ein großartiges Mitschreiben unwichtig macht. Oder man muss am Ende des Semesters sowieso keine Prüfung schreiben, dann reicht die bloße eigene Anwesenheit – und nicht Mal die war teilweise wichtig.
Und nein, ich habe nicht immer nichts gemacht. Ja, teilweise habe ich sehr strebsam jedes einzelne Wort des Profs mitgeschrieben, jede Sitzung wurden so mit mindestens zwei Seiten Mitschrift verewigt. Aber nun ja, jeder hat doch so das ein oder andere Themengebiet, das man wirklich lieber einfach nur mit Kaffee trinken, schlafen und zeichnen überleben möchte.
Während meiner Studienzeit die letzte Reihe nicht problematisch war, so sah es vorher in der Schule doch anders aus. Ganz hinten zu sitzen bedeutete oft, dass man die Schrift an der Tafel nicht gut genug lesen konnte, die Akkustik war eher so mittel und viele (anscheinend) wichtigen Wortmeldungen von Mitschülern konnte man selten verstehen und am Ende hatte man einen Hefteintrag mit einigen Freistellen, weil man schlicht nicht lesen oder verstehen konnte, was dort hätte stehen sollen. Auch zeigte sich in jeder Stunde, dass je weiter man vom Lehrerpult weg saß die eigene Aufmerksamkeit und die der andere erheblich sank. Sprich, während man sowieso Probleme hatte den Lehrer und Wortmeldungen zu verstehen, so wurde das durch die Gespräche neben und vor einem noch unmöglicher gemacht.
Am Ende war eine Stunde in der letzten Reihe auf jeden Fall anstrengender als eine in den vorderen Bänken.

Dass ich mich bei Workshops nicht mehr ganz hinten an der Wand verkrümele mache ich erst seit knapp einem, vielleicht 1,5 Jahren. Ganz hinten zu stehen bedeutet Sicherheit, geschützt von den anderen Teilnehmern, die mit ihrer Existenz hoffentlich die eigenen Fehler unsichtbar werden lassen. Problem hierbei nur: Man sieht oftmals den Workshopleiter nicht, man hängt mit den Bewegungen hinterher, man führt sie meistens auch gar nicht richtig aus, weil man die Erklärung weder richtig gehört, noch gesehen hat – das ist doch eigentlich dämlich. Das wurde mir irgendwann bewusst und mittlerweile stelle ich mich entweder todesmutig in die erste Reihe, oder zumindest in die Mitte. Auf jeden Fall so, dass ich den Trainer gut sehen und hören kann. Schließlich möchte ich ja auch etwas lernen und mich nicht nur davor drücken beurteilt zu werden.

Nun vielleicht noch der Grund, warum ich das hier schreiben wollte:
Am Donnerstag in meinem Fitnesskurs ist mir aufgefallen, wie ungleich die Reihen ausgefüllt sind. Und da kann man auch noch so oft „Bitte nicht so weit nach hinten“ und „Vorne ist noch Platz“ und „Verteilt euch bitte besser“ sagen. Es stehen immer die gleichen ungünstig im Eck und sehen nichts. Das ist doch wirklich nicht Sinn der Sache. An der Seite und in der ersten Reihe ist immer genügend Platz, sodass jeder bequem stehen kann um möglichst alles mitzubekommen.
Und bei meinen Tanzkursen werde ich irgendwann einfach die hintere Wand erweitern, vielleicht mit einem großen Balkon. Da haben sie dann auf jeden Fall Platz 😛
Natürlich verstehe ich das Problem, mir ging es auch lange Zeit so, dass man sich in der ersten Reihe einfach nicht wohl und ständig beobachtet fühlt.
Aber wie schon gesagt: Ich sehe euch. Immer. Ich beobachte euch. Immer.
Auch wenn ihr denkt, ich sehe euch da hinten nicht… ich weiß, was ihr tut!
Also, erleichtert uns allen das Leben und verlasst die dunkle Ecke, die schützende letzte Reihe, hinein ins Ungewisse 😉

Rede

Rede

 

Rede.
Rede, aber nicht zu viel Kluges, das mögen die Leute nicht.
Rede, aber nicht zu viel Dummes, das mögen die Leute nicht.
Rede, aber nicht zu viel, das wirkt aufdringlich.
Rede, aber nicht zu wenig, das wirkt seltsam.

Reden ist Silber, aber schweigen ist Gold.
Also rede nicht.
Aber wer schweigt hat etwas zu verbergen.
Also rede.

Rede nicht zu laut, das stört die Leute.
Rede nicht zu leise, das stört die Leute.
Rede, aber nichts Unwichtiges, das wirkt belanglos.
Rede, aber nichts Wichtiges, das wirkt arrogant.

Rede wenig, höre mehr, das Plaudern bringt dir wenig Ehr.
Also rede nicht.
Aber nur zuhören ist passiv. Sei aktiv.
Also rede.

Rede nur, wenn du gefragt wirst.
Rede und bringe dich in ein Gespräch ein.
Stehe nicht sinnlos in der Gruppe, sprich mit den anderen.
Aber unterbrich niemanden, sei nicht zu laut, sei höflich.
Rede nur Wichtiges, das nicht zu wichtig ist.
Rede nichts Kluges, aber auch nichts Dummes.

Reden ist Silber, aber schweigen ist Gold.
Also rede nicht.
Aber wer schweigt hat etwas zu verbergen.
Also rede.

Aber was mach ich mir schon aus Silber.
Was mach ich mir schon aus Gold.

Also rede.